Nach Cannabis-Debatte: „Alkohol ist genauso eine Droge”

Edith Girstenbrei-Wittling, Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Augsburg, möchte die aktuelle Drogen-Debatte auf Alkohol ausweiten. (Foto: Bernhard Gattner/Caritas Augsburg )
Edith Girstenbrei-Wittling, Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Augsburg, möchte die aktuelle Drogen-Debatte auf Alkohol ausweiten. (Foto: Bernhard Gattner/Caritas Augsburg )
Edith Girstenbrei-Wittling, Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Augsburg, möchte die aktuelle Drogen-Debatte auf Alkohol ausweiten. (Foto: Bernhard Gattner/Caritas Augsburg )
Edith Girstenbrei-Wittling, Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Augsburg, möchte die aktuelle Drogen-Debatte auf Alkohol ausweiten. (Foto: Bernhard Gattner/Caritas Augsburg )
Edith Girstenbrei-Wittling, Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Augsburg, möchte die aktuelle Drogen-Debatte auf Alkohol ausweiten. (Foto: Bernhard Gattner/Caritas Augsburg )

Seit Anfang des Monats ist der Besitz von Cannabis in Deutschland nicht mehr per se verboten. Heftiger Widerstand gegen die Teil-Legalisierung durch den Bund kam und kommt weiterhin insbesondere aus Bayern. Doch während Ministerpräsident Markus Söder gegen das Kiffen wettert, wird im Freistaat bei fast jeder Gelegenheit feuchtfröhlich Alkohol konsumiert – und das häufig ziemlich hemmungslos, was sich derzeit beispielsweise abends auf dem Augsburger Plärrer beobachten lässt. Nach dem Fassanstich am Sonntag vor einer Woche verteilte Ministerpräsident Söder zudem direkt ein Maßkrugbild in den Sozialen Netzwerken. Wenig später postete er „Keine Macht den Drogen” und kritisierte erneut die Cannabis-Legalisierung. Dass auch Alkohol eine Droge ist, dies kommt der Leiterin der Caritas-Suchtfachambulanz in Augsburg, Edith Girstenbrei-Wittling, in der aktuellen Debatte viel zu kurz. Nach der Cannabisdiskussion fordert sie eine Alkoholdiskussion.

Eigenanbau, Besitz und Konsum von Cannabis sind seit Ostermontag unter bestimmten Bedingungen und Mengenvorgaben für Erwachsene legal. Das Bundesgesetz definiert außerdem, dass Konsumenten künftig über nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen Cannabis beziehen können. Start hierfür ist ab Juli geplant. Erwachsene dürfen Joints nicht nahe Schulen, Kitas und Spielplätzen rauchen. Die Weitergabe der Droge an Minderjährige soll darüber hinaus härter bestraft werden.

„Das neue Cannabis-Gesetz schreibt enge Regeln vor” – dagegen oft „sorgloser Umgang” mit Alkohol

Girstenbrei-Wittling will zwar keinen Schlussstrich der Cannabisdiskussion ziehen, aber sie wünscht sich eine Ausweitung der Debatte. „Das neue Cannabis-Gesetz schreibt enge Regeln für den Konsum und den Besitz vor. Wenn wir im Vergleich dazu den oft sorglosen Umgang mit Alkohol beobachten, drängt sich die Frage auf, ob wir nicht dringend auch eine Alkoholdiskussion brauchen”, sagt die Leiterin der Augsburger Caritas-Suchtfachambulanz. Alkohol werde gesellschaftlich akzeptiert, auch der öffentliche Konsum. „Doch Alkohol ist genauso eine Droge mit einer hochwirksamen psychoaktiven Substanz und gleichzeitig ein Zellgift.”

Wie bei allen Drogen sei auch bei Alkohol das Nervensystem gerade von jungen Menschen besonders verletzlich. Alkohol dürfe aber im Gegensatz zu Cannabis beworben werden, gebe es überall zu kaufen und dürfe bereits an 16-Jährige abgegeben werden, kritisiert Girstenbrei-Wittling. In Deutschland geschehe zudem nahezu jede dritte Gewalttat unter Alkoholeinfluss.

Ob die Debatte zur Freigabe von Cannabis von den Gefahren durch Alkohol ablenkt, dieser Frage möchte die Augsburger Caritas im Zuge ihrer Fachvorträge nachgehen. Sie lädt für Donnerstag, 11. April, ab 18 Uhr zur Diskussion in die Suchtfachambulanz, Auf dem Kreuz 47. Am morgigen Mittwoch ist zudem die BR-Sendung „Jetzt red i“ zum Thema Cannabis-Legalisierung in Augsburg zu Gast. Auf dem Podium diskutieren CSU-Generalsekretär Martin Huber und die SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge. Die Sendung beginnt um 20.15 Uhr.

Caritas Suchtfachambulanz

Die Caritas Suchtfachambulanz Augsburg berät Menschen mit Problemen im Zusammenhang mit Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Medienkonsum, Essverhalten, Medikamenten und anderen Suchtstoffen und mit problematischen Verhaltensgewohnheiten. Auch Angehörige können sich an die Beratungsstelle wenden. Die Beratung ist kostenfrei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht und den gesetzlichen Datenschutzrichtlinien. Weitere Informationen online unter caritas-augsburg.de/hilfeberatung oder telefonisch unter 0821/3156432. Zudem besteht die Möglichkeit der Online-Beratung unter caritas.de/onlineberatung.


    Von Janina Funk

    Redakteurin Augsburg-Redaktion

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