Digitalrat legt Liste mit Empfehlungen vor

Wie soll es mit der Digitalisierung in Augsburg weitergehen? Der Digitalrat hat nun seine Empfehlungen abgegeben. (Symbolfoto: mjt)
Wie soll es mit der Digitalisierung in Augsburg weitergehen? Der Digitalrat hat nun seine Empfehlungen abgegeben. (Symbolfoto: mjt)
Wie soll es mit der Digitalisierung in Augsburg weitergehen? Der Digitalrat hat nun seine Empfehlungen abgegeben. (Symbolfoto: mjt)
Wie soll es mit der Digitalisierung in Augsburg weitergehen? Der Digitalrat hat nun seine Empfehlungen abgegeben. (Symbolfoto: mjt)
Wie soll es mit der Digitalisierung in Augsburg weitergehen? Der Digitalrat hat nun seine Empfehlungen abgegeben. (Symbolfoto: mjt)

Der Aufbruch in die digitale Welt betrifft inzwischen so ziemlich jeden Lebensbereich, da wollen und müssen auch die Kommunen mitziehen. In Augsburg kümmern sich bislang neben dem Amt für Digitalisierung die beiden Geschäftsstellen „Smart-City” und „Open Data” um die Themenfelder der Digitalisierung. Doch geht es nach dem Digitalrat, dann sollte, ja muss sich Augsburg einen obersten Digitalchef leisten, neu-deutsch betitelt mit „Chief Digital Officer” (CDO). Dieser und einige weitere Vorschläge finden sich in einer bunt gestalteten Agenda, die der Augsburger Digitalrat nun nach drei Jahren Tätigkeit dem Stadtrat vorlegt, am Donnerstag zunächst einmal im Ausschuss für Digitalisierung.

Der Digitalrat geht zurück auf eine Wahlkampfaktion der heutigen Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU). 2019 kündigte sie an, dass Augsburg mit ihr als Rathauschefin einen Digitalrat erhalte – und gründete diesen dann auch gleich, was bei allen übrigen Parteien, auch dem heutigen grünen Koalitionspartner, zunächst für Irritationen sorgte. Im Koalitionsvertrag präzisierten CSU und Grüne dann, dass dieser Digitalrat natürlich vom Stadtrat legitimiert werden müsse und die Ratsmitglieder über die Zusammensetzung zu befinden hätten. Die Gründung des heutigen Digitalrats erfolgte mit der Besetzung im April 2021. Die Aufgaben des ehrenamtlichen Vorsitzes teilen sich Richard Goerlich, der 2019 noch als Wahlkampfmanager für Weber tätig war und heute die Stabsstelle „Öffentlichkeitsarbeit” der Uniklinik Augsburg leitet, sowie Fabian Ziegler, Chef des Unternehmens Team23 und bereits Mitglied im Wahlkampf-Digitalrat. Unter der Führung der beiden haben 27 Digital-Experten und Interessensvertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen drei Jahre an einer digitalen Agenda gearbeitet. Herausgekommen sind unter dem Titel „Die Bürger Experience” (zu deutsch Bürger-Erfahrung) 56 Seiten mit Empfehlungen an die Stadt.

Neben eher offensichtlichen Ratschlägen, wie Schulungen für Mitarbeiter, intensivere Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen und eine offensivere Bemühung um Fachkräfte, findet sich unter anderem auch ein Plädoyer für eine E-Partizipations-Plattform. Sie solle es den Bürgern ermöglichen, an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen. „Sie ist ein wichtiger Baustein für die Stärkung der Zukunft der Demokratie”, ist der Digitalrat überzeugt.

Im Bereich der Wirtschaftsförderung solle sich die Stadt mehr um Start-up-Unternehmen bemühen. „Die Stärkung des Start-Ups-Ökosystem ist ein wichtiger Motor für die Veränderung der Wirtschaft hin zu innovativen Geschäftsmodellen, jenseits der Positionierung Augsburgs als Fertigungsstandort”, heißt es in der Agenda. Insbesondere solle das Digitale Gründerzentrum gestärkt werden. Zur digitalen Mobilität schlagen die Digitalratsmitglieder unter anderem eine App vor, die Informationen über die aktuelle Belegung von Parkhäusern liefert, so dass Autofahrer schon vor Fahrtbeginn wissen, ob sich eine Parkplatzsuche im Zielgebiet überhaupt lohnt.

„Urban Innovation Agentur” nach dem Vorbild Wien

Weiter empfiehlt der Digitalrat die „Schaffung einer Urban Innovation Agentur als Ausgründung der Stadt Augsburg für bessere Sichtbarkeit und Integration der wichtigsten Zukunftsthemen rund um die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit”. Zum Vorbild soll sich Augsburg die österreichische Hauptstadt Wien nehmen, in der es solch eine Agentur bereits gebe. Als Ausgründung der Stadt könne sie frei agieren und hätte nicht allein die Digitalisierung der Stadtverwaltung im Fokus, so die Begründung für eine Agentur.

Sehr stark ihre Aktivitäten nach innen gerichtet haben laut Digitalrat die „vielen hoch engagierten Mitarbeiter” der Stadtverwaltung, die sich bereits um die Digitalisierung bemühen. „Das Amt für Digitalisierung im Digitalisierungs- und IT-Referat wie auch die Geschäftsstelle Smart City im Wirtschaftsreferat versuchen derzeit die fast unüberschaubare Menge an Initiativen und Projekten zu überblicken”, deutet die Agenda eine Überforderung der bisherigen Strukturen an und empfiehl stattdessen, einen „Chief Digital Officer” für Augsburg als „steuernde Kraft für alle Digitalisierungsprozesse der Stadtverwaltung zu installieren”. Dieser solle nicht innerhalb eines Referats verortet sein, sondern möglichst übergeordnet agieren können. Nur so sei es möglich, „die Organisationsstrukturen innerhalb der verschiedenen Ämter und Referate so zu organisieren, dass diese gemeinschaftlich optimal auf die digitale Transformation einzahlen können”.

Offenbar träumt der Digitalrat von einem Über-Referenten, der allerdings nicht die Umsetzung der notwendigen Projekte und Initiativen übernimmt, sondern als „Mentor” Politik und Stadtrat berät, „um im digitalen Kontext die richtigen Entscheidungen zu treffen”. Von Vorteil wäre eine nicht-politische Haltung, liefert die Agenda gleich ein Anforderungsprofil mit.

„Die Bürger Experience” will der Digitalrat als „Leitplanke und Impulsagenda” für Verwaltung und Politik verstanden wissen. Der Stadtrat schaut sich die Agenda zunächst in zwei Ausschüssen an, bevor er in der Märzsitzung darüber entscheidet, wie er mit den Empfehlungen umgehen will.


Markus Höck
Markus Höck

Redakteur Augsburg-Redaktion

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