Veröffentlicht am 05.04.2024 14:01, aktualisiert am 06.04.2024 14:24

Bluttat in Langweid: Prozess gegen 64-jährigen Sportschützen beginnt

Nach der Tat ließ sich der Mann gegen 19.45 Uhr widerstandslos im Ortsteil Foret festnehmen. (Symbolfoto: mjt)
Nach der Tat ließ sich der Mann gegen 19.45 Uhr widerstandslos im Ortsteil Foret festnehmen. (Symbolfoto: mjt)
Nach der Tat ließ sich der Mann gegen 19.45 Uhr widerstandslos im Ortsteil Foret festnehmen. (Symbolfoto: mjt)
Nach der Tat ließ sich der Mann gegen 19.45 Uhr widerstandslos im Ortsteil Foret festnehmen. (Symbolfoto: mjt)
Nach der Tat ließ sich der Mann gegen 19.45 Uhr widerstandslos im Ortsteil Foret festnehmen. (Symbolfoto: mjt)

Wie konnte es passieren, dass sich aus einem Streit über Mülltonnen und angebliche Ruhestörungen ein grauenhaftes Verbrechen mit drei Todesopfern entwickelte? Dieser Frage geht ab Dienstag das Landgericht Augsburg nach. Vor Gericht verantworten muss sich ein 64-Jähriger, der wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs an seinen Nachbarn angeklagt ist. Im vergangenen Juli hatte der Dreifachmord von Langweid ganz Bayern erschüttert – das beschauliche Langweid am Lech, wenige Kilometer nördlich von Augsburg, als Tatort für eine regelrechte Hinrichtung.

Es ist der 28. Juli, um kurz vor 19.15 Uhr. In dem Mehrfamilienhaus in der Schubertstraße, das in wenigen Minuten zum Tatort wird, begibt sich der mutmaßliche Mörder ins Treppenhaus. Seine Nachbarn, ein Ehepaar mit dem er in dauerhaftem Streit liegt, sind gerade zurück nach Hause gekommen. Ihre Ankunft hat der Mann von seiner Wohnung aus beobachtet. Im Treppenhaus schleicht der Sportschütze sich von hinten an die Eheleute heran. An deren Wohnungstüre tötet er die Nachbarn aus nächster Nähe mit Kopfschüssen. Das Ehepaar, 52 und 49 Jahre alt, hinterlässt einen minderjährigen Sohn, der zur Tatzeit nicht zu Hause war.

Den Ermittlern zufolge setzt der 64-Jährige sein Blutbad direkt fort: Er geht hinunter ins Erdgeschoss. Durch die geschlossene Wohnungstüre feuert er genau neben den Türspion, da er offenbar davon ausgeht, dass jemand wegen des Lärms im Hausflur hindurchsieht. Tatsächlich befindet sich hinter der Türe die 72-jährige Bewohnerin. Die Frau stirbt, ebenfalls durch einen Kopfschuss. Auch mit ihr lag der Sportschütze bereits länger im Clinch.

Anschließend, so die Anklage, fährt der Mann zum Wohnhaus des erwachsenen Sohnes der getöteten Rentnerin. Auch der 44-Jährige und dessen Lebensgefährtin sollten sterben. Die beiden verbarrikadieren sich hinter ihrer Wohnungstüre, durch diese der 64-Jährige insgesamt viermal schießt. Die Bewohner kommen mit Armverletzungen davon.

Auf einem Parkplatz im Ortsteil Foret lässt sich der mutmaßliche Täter schließlich widerstandslos festnehmen. Die Tatwaffe, eine Beretta-Pistole, befindet sich im Auto, daneben zwei weitere Waffen. Im Waffenschrank in der Wohnung des Sportschützen finden die Ermittler noch eine Sportpistole und drei Gewehre.

Beleidigungen, Drohungen und wechselseitige Anzeigen gingen der Bluttat voraus

Laut Staatsanwaltschaft war der Auslöser des entsetzlichen Verbrechens eher banal. Immer wieder soll es in dem Mehrfamilienhaus Ärger gegeben haben. Der 64-Jährige soll versucht haben, den Nachbarn Vorschriften zu machen, etwa wann die Mülltonnen hinauszustellen seien und wie laut man sich auf der Terrasse unterhalten dürfe. Beleidigungen, Drohungen und wechselseitige Anzeigen gingen der Bluttat voraus.

Am Tag der Tat ereignete sich am Nachmittag, wenige Stunden vor dem Dreifachmord, erneut ein Streit. Der Angeklagte und einer der Nachbarn beleidigten sich gegenseitig. Der 64-Jährige soll seinen Nachbarn bedroht haben und dann weggefahren sein, der Kontrahent rief die Polizei.

Der 64-Jährige war jedoch nicht mehr in der Nähe auffindbar, die Polizei hinterließ eine Nachricht bei der Frau des Angeklagten. Etwa eine Stunde später soll der Mann den Ermittlungen zufolge beschlossen haben, seine verhassten Nachbarn umzubringen.

Seine Schusswaffen besaß der Mann legal. Im Schützenverein aktiv war der Rentner aber offenbar nicht mehr. Hat der 64-Jährige die Tat im Affekt begangen oder schon länger geplant? Auch diese Frage muss nun das Gericht klären. Für den Prozess sind zunächst 15 Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte es demnach Ende Juli geben. (jaf)

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